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Politische Gefahren

 

 

Bücher, denen man eine Neuauflage wünscht, Teil 3: ..

„Faschismus kann definiert werden als eine Form des politischen Verhaltens, das gekennzeichnet ist durch eine obsessive Beschäftigung mit Niedergang, Demütigung oder Opferrolle einer Gemeinschaft und durch kompensatorische Kulte der Einheit, Stärke und Reinheit, wobei eine massenbasierte Partei von entschlossenen nationalistischen Aktivisten in unbequemer, aber effektiver Zusammenarbeit mit traditionellen Eliten demokratische Freiheiten aufgibt und mittels einer als erlösend verklärten Gewalt und ohne ethische oder gesetzliche Beschränkungen Ziele der inneren Säuberung und äußeren Expansion verfolgt.“
Paxtons Faschismusanalyse bietet ein sehr plausibles Stufenmodell faschistischer Bewegungen und Regime, das einige Streitpunkte in der Faschismusforschung beilegen kann und Versuche, faschistische Tendenzen wegzudifferenzieren, kritisiert.
Zugleich betont er, offenbar ohne die Kritische Theorie rezipiert zu haben, die zentrale Rolle, die „mobilisierende Leidenschaften“ im Faschismus spielen (v.a. S. 66f.). Ich finde zwar nicht alle Thesen im Buch überzeugend, als theoretisch reflektierte historiographische Darstellung des Faschismus ist es aber m.E. zusammen mit den mentalitätsgeschichtlichen Forschungen von Reichardt ("Faschistische Kampfbünde"), den soziologischen Arbeiten von Breuer/Bach („Faschismus als Bewegung und Regime“) und dem rein ideengeschichtlichen Werk von Sternhell („Die Entstehung der faschistischen Ideologie“) eines der wichtigsten Bücher zum Thema.
Umso bedauerlicher, dass so ein Buch auf Deutsch nicht mehr erhältlich ist.
  • Daniel Rickenbacher
    Die Definition hat wirklich was und passt z.B. auch sehr gut auf den arabischen Nationalismus Nasserscher Prägung. Als historische Arbeit schien mir das Buch damals jedoch schwach. Den ideologischen Vorläufern und den Antisemitismus schenkt er kaum Aufmerksamkeit und hält sie nicht für kennzeichnend. Im letzten Kapitel oder Nachwort versucht er seine Thesen zu extrapolieren und glaubt, in Israel faschistische Tendenzen festzustellen. Den Islamismus und den arab. Nationalismus, wo die Parallelen offensichtlich sind und wo die positive Rezeption des Faschismus auch gut historisch aufgearbeitet ist, erwähnt er dagegen nicht.
    6


    Ingo Elbe
    Daniel Rickenbacher Das ist leider ein Schwäche vieler Faschismus - Theoretiker
    3


  • Philipp Wilhelm Kranemann
    Oh, das Buch gibt es bei amazon gerade gebraucht für nur 193 €. Ein echter Schnapper.


    Andreas Stahl
    Philipp Wilhelm Kranemann Die englische Version dürfte noch recht gut verfügbar sein, man sollte sich trotzdem unbedingt mal um eine Übersetzung bemühen.


  • Philipp Wilhelm Kranemann
    Ja, die ist wesentlich günstiger. Wenn man am Anfang der Beschäftigung mit dem Thema steht (und knapp bei Kasse ist), finde ich Matthias Wörschings "Faschismustheorien" empfehlenswert.

Kommentare